Schlehenwein

Ein kleiner Aperitif?

Schlehenwein

Heute will ich Euch zu einem kleinen Aperitif einladen, zumindest lade ich Euch dazu ein, diesen Aperitifwein selber und ganz einfach herzustellen.
Bei uns, in Aquitanien, heißt er « Buisson »( was eigentlich « Busch » heißt). Er wird auch in anderen Gegenden von Frankreich gemacht. Dort trägt er andere Namen. Mal heißt er Troussepinette (einfach nur ein hübscher Name), mal « pousse d’épine » (Dornentrieb), mal « épinette » (Dörnchen)… Das Rezept bleibt aber immer gleich, so weit ich weiß.

Eigentlich könnte  dieser kleine Aperitif  auch Schlehenwein heißen, weil er aus dem Schlehdornbusch hergestellt wird. In Deutschland macht man auch Schlehenwein, aber anders als in Deutschland benutzt man hier nicht die Früchte, sondern die Blätter. Besser gesagt sind es die jungen Triebe des Jahres, die noch kein Holz gebildet haben und ganz zart sind.

Schlehenwein
Grün orange Spitzen

Sie werden in Mai und Juni geerntet, nach der Blüte oder ganz am Anfang der Fruchtreife (sie sind noch grün und klein). Am besten sind die Triebe, deren Blätter an der Spitze noch eine leichte rötlich-orange Verfärbung haben und deren übrige Blätter einen zartgrünen Ton aufweisen. Wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, nimmt man einen Duft nach Mandeln und Kirschen wahr.

Die Herstellung ist auch ganz anders als in Deutschland. Ein ganz wesentlicher Unterschied zum deutschen Schlehenwein ist auch, dass der Aperitif nicht durch Gehrung , sondern durch Mazeration gewonnen wird.  Mazeration bedeutet, dass die Pflanze in den Wein getaucht wird und einige Tage darin ziehen muss. Dabei gehen die Aromastoffe der Pflanze in den Wein über. Er wird im Prinzip wie ein Tee zubereitet, der aber viel länger ziehen muss.

Es entsteht ein Wein mit einem ganz besonderen, angenehmen Aroma nach Mandeln und Kirschen, der sowohl als Aperitif wie auch als Digestif angeboten wird, und schon lange nicht mehr nur in Damenkreisen.

Früher haben ihn nämlich ausschließlich die Frauen gemacht, während die Männer für den Wein (der dafür benötigt wird) zuständig waren. Er wurde in Damenkreisen nach dem Kaffee als « digestif » (Verdauungstrunk) angeboten.

Heutzutage wird er auch häufig von Männern hergestellt, so wie Frauen auch an der Weinherstellung (Sagt man auch so für Wein? Ich hoffe ich begehe kein Sakrileg! ) teilnehmen « dürfen ».

Das Rezept des kleinen Aperitifs

Für einen Liter Buisson braucht man:

1 Flasche Rotwein  (oder 1 Liter)

Bei uns nimmt man einen Bordeaux, in anderen Regionen Frankreichs andere Weine. Es spricht nichts dagegen, den Wein Eurer Region zu nehmen, oder Euren Lieblingswein. Nur rot muss er sein.

150ml Alkohol (am besten Obstler, aber Wodka oder Korn tun es auch) (200ml)

Schlehenwein
Obstler

150g Zucker (200g)

Eine gute Handvoll (150g) junge  Schlehenbuschtriebe (200g)

Schlehenwein
Junge Triebe

1 Vanillestange (optional)

Das Rezept:

Die jungen Triebe werden  kurz gespült und gut abgetrocknet.

Dann werden sie relativ fein gehackt (je feiner geschnitten wird, desto intensiver wird das Aroma)

Der Wein und der Alkohol kommen in ein Gefäß.

Man gibt die gehackten Triebe und den Zucker dazu und rührt alles schön ein.

Vanillestange auskratzen. Kerne und Schote dazu geben.

Schlehenwein
Alles zusammenfügen

Dann 2 Methoden:

Die Schnelle für Eilige

Man erwärmt das Ganze ungefähr bis 70° und lässt es bis zum nächsten Tag ziehen.

Am nächsten Tag wird die Flüssigkeit von ihren festen Bestandteilen getrennt, indem man sie durch ein feines Sieb oder Tuch filtert.

In eine hübsche Flasche füllen.

Fertig!

Schlehenwein
Hübsch verpacken

Die Langsame für Traditionsbewusste

Man lässt das ganze ein paar Tage kalt ziehen (ca 20 Tage)

Jeden Tag einmal umrühren und probieren (!)

Nicht zu lange ziehen lassen, weil das Ganze irgendwann umkippt und bitter wird.

Wie oben filtern.

Man kann natürlich gleich größere Mengen herstellen. Dieser kleiner Aperitif hält sich sehr, sehr lange, und wird mit der Zeit sogar noch besser!

Für 5 Liter Wein

1 kg Zucker

1 Liter Alkohol

1 kg junge Triebe

5 Vanillestangen

Na, habt Ihr getestet? Wie findet Ihr diesen kleinen Aperitif? Schreibt es uns in den Kommentaren!

 

Laisser un commentaire

Votre adresse de messagerie ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *